SCM – Ist das nicht Logistik?

Transport von Gütern mit LKW, Schiff, Flugzeug und Zug und deren Lagerung.

Transport von Gütern mit LKW, Schiff, Flugzeug und Zug und deren Lagerung.

„Supply Chain Management? Das ist doch Logistik, nur auf Englisch!“ Eine Aussage, die häufig so stehen gelassen wird, jedoch nicht ganz der Wahrheit entspricht.  Richtig ist, dass sowohl die Logistik als auch das SCM die Gestaltung von Informations- und Güterflüssen beinhalten. Die Abgrenzung zwischen den beiden Bereichen wird jedoch bei der Festlegung der Betrachtungsgrenzen gesetzt.

Während sich die Logistik in erster Linie mit den Güter- und Informationsflüssen innerhalb eines Unternehmens oder Unternehmensbereichs beschäftigt, wird beim Supply Chain Management eine ganzheitliche Systembetrachtung der gesamten Wertschöpfungskette von der Rohstoffbeschaffung bis zur Ablieferung eines Endprodukts beim Verbraucher durchgeführt. Die Logistik ist daher zwar ein fester und wichtiger Bestandteil des SCM, jedoch füllt sie dieses nicht aus.

Die klassische Logistik beschränkt sich beispielsweise auf die Warenflüsse des OEM, die logistische Prozessgestaltung der Supplier und das Transportmanagement des Spediteurs. Es werden also klare Grenzen zwischen den logistischen Bereichen eines Unternehmens und eines Dienstleisters oder Zulieferers gezogen. Die Wertschöpfungskette wird zwar berücksichtigt, sie ist jedoch nicht der zentrale Bezugspunkt der logistischen Prozessgestaltung. Jeder Akteur der Wertschöpfungskette plant seine eigene Prozessstruktur. Die Interessen der Kooperationspartner werden zwar durch Abstimmungen berücksichtigt, jedoch wird in erster Linie im Rahmen der eigenen Betrachtungsgrenzen geplant und gesteuert, nicht über die Grenzen hinaus.

Das Supply Chain Management zielt auf die konzeptionelle Gestaltung, Steuerung und Organisation der Objektflüsse (Information, Güter, Geldmittel) innerhalb eines Unternehmensnetzwerks ab. Die Herstellung eines Produktes wird als Kette von Prozessen betrachtet, welche grenzüberschreitend so aufeinander abgestimmt sein müssen, dass ein Produkt so effizient und gewinnbringend wie möglich am Markt angeboten werden kann. Es geht beim SCM daher um eine Leistungsoptimierung der gesamten Supply Chain, sodass anfallende Kosten durch einen prozessorientierten Ansatz möglichst gering gehalten werden und gleichzeitig alle Glieder der Kette im gesamten Unternehmensnetzwerk reibungslos funktionieren. Hinzu kommt, dass durch die gesamte Prozessbetrachtung der Kunde in die Supply Chain mit einbezogen wird, da seine Anforderungen durch den Vertrieb vertreten werden und die Erfüllung des Kundenwunsches bei der Prozessgestaltung somit berücksichtigt werden.

Das Supply Chain Management beschreibt letztlich die betriebswirtschaftlichere und weitreichendere Gestaltung einer schlanken Wertschöpfungskette, als dies bei einer logistischen Prozessgestaltung der Fall ist. Die Herstellung eines Produktes hängt durch interorganisatorische Unternehmensverflechtungen von so vielen verschiedenen Akteuren ab, dass das Management der gesamten Supply Chain den erfolgsorientierteren Ansatz darstellt.

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