SCM – Was ist das überhaupt?

Supply Chain Management - Von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung

Von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung

Supply Chain Management – Was ist das? Vor genau dieser Frage stehen viele junge Menschen, die im Zuge der Studien- oder Arbeitsplatzrecherche auf eben diese mysteriös erscheinende Wortkombination stoßen. Doch was steckt dahinter?  Wir vom afterstudy-Team möchten versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Gibt man den Begriff Supply Chain Management (SCM) in ein beliebiges Online-Übersetzungsportal ein, erhält man verschiedenste Auskünfte, was sich dahinter verbergen könnte: „Management der Versorgungskette“, „Lieferantenmanagement“, „ Wertschöpfungslehre“ und „Prozesskettenmanagement“ sind nur ein paar der gängigen Vorschläge. Ähnliches ist bei dem Blick in die einschlägige Fachliteratur festzustellen, auch dort ein buntes Potpourri an Definitionen.  Kurz gesagt: Eine eindeutige Definition für SCM ist weder in der Industrie noch in der Wissenschaft zu finden.

Ein Grund dafür ist die inhaltliche Weitläufigkeit der Thematik, die dafür sorgt, dass Supply Chain Management aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann. Je nach Branche und Unternehmen kann die Aufgabe des SCM komplett unterschiedlich betrachtet werden. Eines haben alle Definition jedoch gemeinsam: Im Zentrum der Betrachtung steht der Prozess. Der Prozess ist an dieser Stelle als die Gesamtheit aller Vorgänge zu verstehen, die für die Herstellung und anschließende Auslieferung eines Produktes benötigt werden. Und da Prozesse nicht einfach von alleine laufen, müssen diese geplant, überwacht und fortlaufend angepasst werden. Genau an dieser Stelle beginnt das SCM.

Supply Chain Management kann als Planung, Steuerung und Kontrolle aller Material- und Informationsflüsse bezeichnet werden, die innerhalb eines Netzwerks von Unternehmen im Zuge der Wertschöpfungs- und Lieferkette entstehen, unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Ziele.

Doch was ist die Wertschöpfungs- und Lieferkette?

Supply Chain Management - Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfungs- und Lieferkette – nennen wir so nun Supply Chain–  umfasst alle am Herstellungsprozess beteiligten Subprozesse, von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung eines Produkts an den Kunden. Die Supply Chain als solches ist also der übergeordnete Gesamtprozess und besteht aus verschiedenen Subprozessen, welche den Gesamtprozess entweder direkt oder unterstützend betreffen. Die einzelnen Subprozesse werden entweder vom Hersteller des Endprodukts, welcher als Original Equipment Manufacturer (OEM) bezeichnet wird, oder durch verschiedene Subunternehmen durchgeführt, welche dem Produktionsprozess vor- oder nachgelagert sein können.

Die verschiedenen Subprozesse haben alle ihre eigenen, prozessspezifischen Anforderungen, die durch die interprozessuale Verknüpfung dementsprechend in Wechselwirkung zu denen, der jeweiligen Nachbarprozesse stehen. Je nach Branche, Unternehmensstrategie oder Positionierung in der Supply Chain stehen mal die Kosten im Vordergrund, mal zeitliche Aspekte, mal die Qualität. Die Wechselwirkung kommt dabei vor allem an den Prozessschnittstellen zur Geltung, da es hier zu Zielkonflikten kommen kann.

Nehmen wir beispielhaft die Herstellung und den Transport eines Autos: Dem Kunden wäre natürlich die Erfüllung aller Ziele am liebsten. Das neue Auto soll so wie er es konfiguriert hat, bestenfalls 20% günstiger als normal und möglichst schon gestern geliefert werden. Der Hersteller hingegen muss den Spagat zwischen geforderter Produktqualität bei möglichst niedrigen Kosten und gleichzeitig angemessener Lieferzeit schaffen, um sein Produkt zwar gewinnbringend, aber für den Kunden erschwinglich auf dem Markt anbieten zu können. Für ihn ist die Situation also dann möglichst perfekt, wenn er seine Fertigung voll auslasten kann und die Produkte mit minimalem Ressourceneinsatz (Material, Personal, Kosten etc.) herstellt, ohne dabei qualitative Einbußen oder Lagerbestände hinnehmen zu müssen.

Dem Getriebelieferanten, der einen potentiell anderen Produktionstakt als der Automobilhersteller hat, ist es natürlich am liebsten, wenn der Hersteller möglichst viele Getriebe abruft, sodass er als Lieferant seine eigene Produktion so weit wie möglich auslasten kann. Dem vorgelagert stehen jedoch wieder diverse Sublieferanten, welche den Getriebelieferanten beliefern. Auch diese haben jeweils ihre eigenen Kosten-, Termin- und Qualitätsziele, welche so erfüllt werden müssen, dass eine betriebswirtschaftliche Herstellung des jeweiligen Einzelteils gewährleistet ist und gleichzeitig die Kundenwünsche befriedigt werden können.

Am Ende dieses gesamten Herstellungsprozesses steht der Transport des Fahrzeugs zum Kunden. Für den OEM steht dieser vermutlich nicht im Vordergrund, da dieser Subprozess keine Wertschöpfung beinhaltet, also keinen Mehrwert schafft, für den der Kunde bereit ist zu zahlen. Dementsprechend wird der Hersteller versuchen die Transportkosten so gering wie möglich zu halten, was sich unter Umständen in der Transportqualität niederschlagen kann. Der Kunde hingegen ist bei einem kostenintensiven Produkt wie einem Fahrzeug in der Regel gewillt, auch eine Woche länger darauf zu warten, wenn es ohne Kratzer oder Beulen, durch einen qualitativ minderwertigen Transport, bei ihm ankommt.

Bereits an diesem kurzen Einblick in die Supply Chain der Herstellung eines Fahrzeugs ist zu erkennen, wie komplex sich die gesamte Prozessstruktur darstellt, wenn alle Subprozesse berücksichtig werden. Doch wer ist der „Denker und Lenker“ der Supply Chain und ihrer Subprozesse? Welche Parameter müssen berücksichtigt werden? Wo sind Engpässe in der Prozesslandschaft? Wer ist beteiligt? Wo sind die Schnittstellen?

Fragen, die es zu beantworten gilt….aber wie und durch wen? Durch das Supply Chain Management. Denn das ist es, was SCM beinhaltet. Es geht um die Planung, Steuerung und Kontrolle genau eines solchen Gesamtprozesses mit all seinen Subprozessen. Dabei ist es nur allzu verständlich, dass die zentrale Planung aller Prozesse von einer einzigen Stelle allein nicht realisierbar ist. Viele SC-Manager mit allen am Prozess beteiligten Akteuren sorgen dafür, dass der Prozess mit all seinen Herausforderungen und Schnittstellen reibungslos funktioniert und der Kunde sein gefordertes Produkt am vereinbarten Datum in der erwarteten Qualität erhält.

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